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Father Emmanuel Asi – katholischer Priester aus Pakistan; Gast zur Eröffnung des Monats der Weltmission

Kameras sind unerbittlich. Aber sie zeigen nur das, was „vor den Kulissen“ passiert. Was er mit seinen Gästen „hinter den Kulissen“ und „abseits der Kameras“ erlebt hat, erzählt Moderator Klaus Depta hier. Zum Beispiel mit

Father Emmanuel Asi – katholischer Priester aus Pakistan; Gast zur Eröffnung des Monats der Weltmission

Um dies gleich zu Anfang zu sagen: Ich habe ungemeinen Respekt vor jedem Geistlichen, der aus seiner für uns ach-so-fernen Heimat zu uns kommt, hier vom Leben der Christen in seiner Heimat berichtet… und dann vielfach doch nur als „Bettelpriester“ abgestempelt wird. Sicherlich ist es richtig, dass Gäste, die das Hilfswerk „missio“ regelmäßig zum Monat der Weltmission nach Deutschland holt, auch dafür sorgen sollen, dass die Spenden fließen. Eine besondere Gelegenheit haben Gottesdienstbesucher ja in der Regel am letzten Sonntag im Oktober, dem so genannten „Sonntag der Weltmission“. Und natürlich weit darüber hinaus.

Gefahr für Leib und Leben

Was mir aber besonderen Respekt dieser Gäste abnötigt, ist die Gefahr für Leib und Leben, der sie sich aussetzen. Father Emmanuel Asi zum Beispiel kommt aus Pakistan. Auch wenn Emmanuel Asi das nie so sagen würde: Vieles in Pakistan erinnert mich an die dunkle Zeit der Hexenverfolgung, die Europa durchlebt hat. Da reichte es völlig aus, wenn jemand eine Person als Hexe oder als Hexenmeister denunzierte. Die hochnotpeinliche Befragung, sprich: eine dramatische Folterprozedur würde dann schon dafür sorgen, dass die Wahrheit ans Licht käme. Dass diese „Wahrheit“ in der Regel in einem Geständnis der oder des Gefolterten bestand, muss an dieser Stelle nicht besonders erwähnt zu werden. Schließlich wollte man angesichts der grausigen Torturen nur eins: dass der Schmerz endlich aufhört.

Missbrauch der Blasphemiegesetze

Natürlich wird in Pakistan nicht gefoltert. Aber die Behauptung, da habe jemand den Propheten Mohammad oder den Koran beleidigt, reicht oftmals aus, um einen Menschen festzusetzen. Oft genug aber wird er schon gleich vom aufgebrachten Mob auf grausame Weise ums Leben gebracht. Und die Herrscher im Land stehen schulterzuckend daneben. Sie sind ja nicht schuld. Die offiziellen Gesetze sind andere.
Jemand, der wie Father Emmanuel Asi zu Besuch in Deutschland ist, wird sich hüten, die Dinge in der Weise beim Namen zu nennen, wie sie in Pakistan tatsächlich sind. Denn dann wäre sein Leben nach seiner Rückkehr möglicherweise keinen Pfifferling mehr wert. Andererseits ist er aber hier bei uns, um uns über die Situation der Christen in seiner Heimat zu informieren. Quasi „aus erster Hand“. Alles in allem also eine gewaltige Gratwanderung.

Islamische Republik

Pakistan ist eine islamische Republik. 180 Millionen Pakistani sind Muslime. Die weniger als drei Millionen Christen bilden die größte religiöse Minderheit im Land, fallen aber kaum ins Gewicht. Sie sind stark im Glauben, gehen regelmäßig und in großer Zahl zu den Gottesdiensten, lesen viel in der Bibel. Immer wieder gibt es Brandanschläge auf Kirchen, oftmals brennen Bibeln oder Kreuze, zum Glück nicht gar so oft auch Menschen. Trotzdem stehen die Christen in Pakistan fest in ihrem Glauben.

Diskriminierung

Für Christen sind viele Berufe unerreichbar. Totengräber – das ist ein typisch christlicher Beruf. Vielfach würden Christen diskriminiert. Er selbst, eben ein Christ, habe als Schüler die Wasserpumpe in seiner Schule nicht berühren dürfen, erzählt der Mann aus Pakistan. Hatte er Durst, musste er einen muslimischen Schüler bitten, für ihn die Pumpe zu bedienen. Und Gott-sei-Dank gab es genügend Schüler, die das getan haben. Wie ohnehin die Mehrheit der Muslime friedlich ist, sich Christen gegenüber „völlig normal und freundlich“ verhalte. Ja, man lebe ausgesprochen friedlich zusammen.
Auf die Frage, wie es mit der Verfolgung von Christen aussähe, hält sich der Priester zurück. Ganz klar: Staatlicherseits gäbe es keine Unterdrückung

von Christen. Den Rest weiß man aus anderen Quellen: dass es eine radikale, fundamentalistische Minderheit gibt, die in religiösen Fragen nicht nur absolut intolerant ist, sondern auch die Blasphemiegesetze missbraucht. Womit wir wieder bei den unbegründeten Anschuldigungen mittelalterliche Hexenprozesse angekommen wären…

Rolle der Familie

Dass die Gemeinschaft, die Familie in Pakistan besonders großgeschrieben werde, erzählt Father Emmanuel begeistert. Was nicht weiter verwunderlich ist, zumal die Großfamilie das übernimmt, was bei uns die sozialen Sicherungssysteme leisten. Denn die gibt es in Pakistan nicht. Damit aber die Großfamilie gut funktioniert, werden die meisten Ehen in Pakistan von der Familie arrangiert. Und so ist es nicht überraschend, dass sich viele Ehepartner an ihrem „großen Tag“ überhaupt zum ersten Mal begegnen.

Rolle der Gemeinschaft

Umso wichtiger ist es, dass Christen untereinander zusammenhalten, sich gegenseitig die notwendige Unterstützung geben. Da ist es natürlich hilfreich, wenn aufgrund finanzieller Hilfe durch „missio“ – und die beruhen letztlich auf den Spenden von Gläubigen hier bei uns in Westeuropa – Bibellesungen organisiert werden, wenn überhaupt genügend Exemplare der Heiligen Schrift vorhanden sind. Auch so entsteht Selbstbewusstsein, auch so verstärkt sich zumindest schon einmal unter Christen der Gedanke, dass Männer und Frauen gleichermaßen Gottes Geschöpfe sind.
Vor allem aber gilt: Da, wo es keine Jobs gibt, um aus dem Teufelskreis von Armut, geringer Bildung und nicht vorhandener Aufstiegschancen herauszukommen, sind vor allem Frauen die Träger einer gesellschaftlichen Weiterentwicklung. Sie tragen die Last der Kindererziehung, sie müssen die wirtschaftlichen Lücken stopfen, die sich immer wieder auftun. Da ist es gut, wenn Hilfe aus Westeuropa bereitsteht. Nicht nur materiell, sondern auch ideell. Das Gefühl, im Gebet mit Christen in anderen Ländern verbunden zu sein, kann helfen, Berge zu versetzen. Zumindest kleine. Und vielleicht ist das die wichtigste Aufgabe, die ein Gast aus einem fernen Land im Monat der Weltmission hat: Brücken zu bauen zwischen denen, die Hilfe und Unterstützung benötigen, und denen, die gar nicht nachvollziehen können, was es bedeutet, in einem Umfeld von Benachteiligung und Unterdrückung seinen Glauben zu leben.

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