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Die Fantastischen Vier feat. Herbert Grönemeyer – Einfach sein

Thema: Sinnfrage CD: Fornika Zusammenarbeit der Fantastischen Vier mit Herbert Grönemeyer.

Der Song stellt auf jugendgemäße Weise die Frage nach dem Sinn des Lebens. Dis tut er schrittweise und in drei inhaltlich unterschiedlichen Teilen:
Im ersten Teil, gerappt von Smudo, geht es um eine sexuelle Beziehung zwischen dem lyrischen Ich und einem Mädchen. Die angestrebte Sexualität wird als existentiell, alles Materielle, so auch der Job, als sekundär wahrgenommen und dargestellt.
Obwohl im Songtext Liebe auf Sexualität verkürzt wird, wird die Liebe zum Schlüssel für die Lösung der Weltprobleme angesehen: “Diese Welt ist in den Miesen”… “und was sie braucht, ist die Liebe von allen”. Ein Vergleich dieses Teils mit zwei programmatischen Schlagworten bietet sich an: Mit dem “Make Love – Not War” der Flower Power Bewegung gegen die Bedrohung durch den Kalten Krieg sowie mit “Breasts Not Bombs”, eine von der amerikanischen Aktionskünstlerin Sherry Glaser initiierte Kampagne gegen Gewalt im Zusammenhang mit Krieg, insbesondere gegen die Gewalt der us-amerikanischen Militärmacht im Irak.

Im zweiten Teil, gerappt von Michi Beck, steht die Sinnleere im Beruf im Vordergrund. Der Arbeitsalltag erweist sich als monoton und langweilig, die Hoffnungen auf ein besseres Leben erweisen sich als enttäuscht: Weder über Nacht noch überhaupt besteht die Chance, tatsächlich ein Vermögen zu verdienen. (Hinweis: Der im Text angesprochen “Roederer” symbolisiert einen Champagner der Spitzenklasse.) Die Frage nach dem Sinn (des Lebens angesichts dieser beruflichen Situation) wird explizit und für Jugendliche wie auch Erwachsene nachvollziehbar gestellt. Hier befindet sich die Nahtstelle der Strophe: Auch wenn die Sinnfrage unbeantwortet bleibt, wird ersichtlich, dass sich die persönliche Situation mit ihrer Beantwortung ändert. Wichtig: Das selbst erlebte Glück wird auf andere ausgedehnt: “Ich … werde euch Sklaven von allen Strapazen für immer befrei“n.” Diese Stophe bereitet den dritten Teil des Songs vor:

Gerappt von Thomas D. wird im dritten Teil vorsichtig die Akzeptanz für eine Welt jenseits des Sichtbaren und Greifbaren eröffnet: “Hör auf nur das zu zu glauben, was du siehst!” Die Welt ist undurchschaubar, aber Vertrauen und Fantasie bieten eine Lösung, mit und in ihr zurecht zu kommen. Die Zusammenfassung stellt den Gang (Jesu?) über das Wasser in Oppostion zur Abstammung des Menschen vom Affen. Konsequent fährt der Song fort, dass es (innerweltlich) keine Antworten auf alle Fragen und keine Formel für Reichtum gibt. Der Welt zu entfliehen (“Klar woll“n wir fort”) wird zur unpraktikablen Idee (“aber irgendwo ankommen – könn“n wir leider nicht”).
In der letzten Textzeile erfolgt eine Abgrenzung von Fiktionalem, symbolisiert durch Harrison Ford, der als Indiana Jones sämtliche Probleme meistert, und von Menschen, die ihr Leben durch ihren Glauben scheinbar leicht bewältigen, fokussiert auf den Sänger und Kollegen Xavier Naidoo.

Eine im Song wie auch inhaltlich zentrale Bedeutung kommt dem von Herbert Grönemeyer stereotyp wiederholten Refrain “Es könnte alles so einfach sein – ist es aber nicht” zu. Die Sexualität / Liebe zwischen zwei Menschen funktioniert genau so wenig vorhersehbar und planbar wie die Vorstellungen von der beruflichen Selbstverwirklichung. Auch die Frage nach dem Glauben ist für den Einzelnen nicht ohne Weiteres beantwortbar.

Bei der Bearbeitung sollte der Songtitel nicht vergessen werden: “Einfach sein” verleiht dem Song eine positive Grundhaltung und reagiert auf (unerfüllte) Sehnsüchte. Erst im Song wird klar, dass der Titel als Irrealis behandelt und sogar verneint wird. Dennoch bleibt die positive Grundhaltung, nicht zuletzt wegen des dritten Teils, erhalten.

Die Fantastischen Vier feat. Herbert Grönemeyer, Einfach sein, in: ders., Fornika, Columbia / Sony BMG 2007.
Homepage Die Fantastischen Vier
Homepage Herbert Grönemeyer
Spiegel-Interview mit Xavier Naidoo

Hinweis: Die Songinhalte werden gut durch “Yeah Yeah Yeah”, einer Absage an die Spaßgesellschaft, vom selben Album ergänzt.

http://www.diefantastischenvier.de

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Kommentare

1 Kommentar

isses

…. könnte es nicht so in Worte fassen… sehr treffend


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