Pink – When I Get There
Pink ist zurück – nach vier Jahren Pause hat Pink in der vergangenen Woche ihr mittlerweile neuntes Studioalbum veröffentlich. Titel: „Trustfall“. Als kleinen Vorgeschmack hatte die Sängerin aus Pennsylvania bereits im Vorfeld das lebhafte „Never Gonna Not Dance Again“ und den Titelsong als Single ausgekoppelt. Atemberaubend steht sie im Musikvideo zu „Trustfall“ auf dem Dach eines Hochhauses, lässt sich rückwärts fallen und beginnt scheinbar zu fliegen.
Superstar
Von „fliegen“ zu „überfliegen“ ist es kein weiter Weg. Und zu recht darf man Pink als Überflieger, als Superstar bezeichnen. 40 Millionen verkaufte Alben, über 70 Millionen verkaufte Singles sprechen für sich. Für die, die alles ganz genau wissen wollen: Zu Pinks Verkaufserfolgen kommen drei Grammys, ein Emmy Award, zwei Brit Awards, sieben MTV Video Music Awards und zwei MTV Europe Awards. Viel mehr geht nicht! Die mittlerweile 43jährige Sängerin gilt also aus gutem Grund als eine der einflussreichsten Songwriterinnen und Sängerinnen der Gegenwart, macht auch als Schauspielerin eine mehr als passable Figur.
Konzerte bei uns
Im Juni und Juli kommt Pink im Rahmen ihrer aktuellen Tour auch zu Konzerten nach Deutschland. Wer jetzt noch kein Ticket für eines der Deutschlandkonzerte hat, muss sich beeilen. Ansonsten trifft ihn das (fälschlicherweise, aber das gehört nicht hierhin) Michail Gorbatschow zugeschriebene Bonmot: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
39 Wochen lang platzierte sich Pinks politische Kampfansage an den damaligen US-Präsidenten George W. Bush „Dear Mr. President“ 2006 in den deutschen Charts. Ähnlich politisch war „Irrelevant„, ihr Song zum Thema Abtreibung im letzten Jahr. Ihr Duett mit Töchterchen Willow Sage rührte zu Tränen.
Neuer Superhit?
Gut möglich, dass „When I Get There“, Opener aus Pinks aktuellem Album, ebenso lange in den Charts überdauern könnte. Oder vielleicht noch länger. Denn das Stück ist eine herzzerreißende Ballade, ist authentisch und offenbart somit einen tiefen Blick in das Seelenleben von Pink. Vor allem aber hat handelt der Song von zwei Themen, die jeden Menschen betreffen: vom Tod generell und vom Verlust eines Elternteils.
Gewidmet hat Alecia Beth Moore, so Pinks Geburtsname, ihrem Vater Jim Moore. Der verlor im August 2021 seinen achtjährigen Kampf gegen den Krebs. In „When I Get There“ denkt die Sängerin an ihren Vater und wie es ihm „da oben“, in einem Leben jenseits des irdischen Daseins wohl gehen möge.
Gedanken an verstorbenen Vater
Pink singt:
„Gibt es da oben eine Bar,
in der du deinen Lieblingsstuhl hast?
Wo du mit Freunden sitzt und über das Wetter redest?
Gibt es einen Ort, an dem du den Sonnenuntergang beobachten kannst?
Und gibt es da einen Song, den du einfach nicht erwarten kannst zu teilen?“
Sich gegenseitig auf Lieder aufmerksam zu machen, die ihnen gefallen, ihre Lieblingslieder zu teilen – das war viele Jahre eine Art Sport zwischen Vater Jim und Tochter Alecia, selbst als die längst als Pink zum Weltstar geworden war.
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Pilot, Musiker, Förderer
Pinks Vater war Pilot bei der US-Air Force, war aber auch ein leidenschaftlicher Musiker. Bei der Air Force hatte er sogar seine eigene Band, war Gitarrist in einem Rockquartett. Er war es, der mit der noch sehr kleinen Pink immer wieder gesungen hat, jeden Abend vor dem Zubettgehen. Und der auf diese Weise das Interesse des noch sehr kleinen Mädchens für Musik geebenet hat. Und der unendlich stolz darauf war, mit seiner kleinen Tochter zusammen zu singen. Dieses merkwürdige Ritual aber, sich über Jahre immer wieder gegenseitig auf geliebte Lieder hinzuweisen, hat heute ein Ergebnis: Es gibt unendlich viele Songs, bei denen sich Pink sofort an ihren Vater erinnert.
Papas Filmclips
Papa war es auch, der das Aufwachsen der kleinen Tochter vom ersten Tag an in kleinen Filmen festgehalten hat. Aus diesen Filmen hat Pink eine kleine Auswahl für den Videoclip verwendet, die sie zu „When I Get There“ veröffentlicht hat. Und wer damit nicht genug hat: In einem beeindruckenden Video von Jim Moore gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Rückblicke auf das Leben der mittlerweile berühmten Tochter – darunter Bilder vom ersten Geburtstag, Kindheitsfotos und eine Erinnerung an ihren ersten Schultag. Papa war Alecias erster und größter Fan, so Jim Moore. Er habe all diese Fotos und Filme gemacht, damit seine Tochter einmal Erinnerungen daran habe, wie alles begann und woher sie kam.
Vaters Leidenschaften bei Pink und Brüder Jason
Air Force-Pilot und Musiker, beides mit Leidenschaft – Pink sieht die Leidenschaften ihres Vaters, einem Vietnam-Veteran irischer Herkunft, in sich selbst und ihrem Bruder verwirklicht: Bruder Jason hat längst Karriere bei der US-Air Force gemacht und einen hohen Rang inne, verkörpert also die Leidenschaft des Fliegens. Und Pink trägt die Liebe zur Musik, die ihren Vater so sehr geprägt hat, weiter.
Verlust schmerzt
Man komme nie über den Verlust eines Elternteils hinweg, sagt Pink im Interview. Und so habe sie sich nach dem Tod ihres Vaters wie taub gefühlt. Daher ist „When I Get There“ ein Stück Trauerarbeit, gleichzeitig aber ein liebevolles Abschiednehmen von einem Menschen, der der Sängerin viel bedeutet hat. Doch so schmerzlich der Verlust eines geliebten Menschen auch ist: Pink scheint überzeugt davon zu sein, dass es kein Abschied für immer ist; dass die Möglichkeit zu einem Wiedersehen nach dem irdischen Leben möglich ist. So singt sie:
Bis ich auch „da oben“ bin…
„Wirst du mir einen Platz freihalten
mit all diesen Perlen der Weisheit?
Ja, ich werde noch einige Fehler machen.
Und du wirst mich sehen, wie ich mit ihnen lebe.
Bis ich durch bin, bis ich bei dir bin.“
Und weiter singt sie sehr persönlich:
„Gibt es ein Lied, bei dem du es gar nicht erwarten kannst, es zu teilen?
Ja, ich weiß: Du wirst es mir sagen, wenn ich auch dorthin komme.
Ich denke an dich, wenn ich an die Ewigkeit denke.“
Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod
Der Vater als irischer Katholik erzogen, die Mutter jüdischer Abstammung – der Glaube an eine Auferstehung, an ein Leben nach dem Tod gehört im Judentum wie auch im Christentum zu den grundlegenden Glaubensüberzeugungen. Darauf begründet sich auch die Hoffnung, eines Tages wieder vereint zu sein. Spätestens dann, wenn Pink dahin kommt, wohin ihr Vater ihr vorausgegangen ist.
Pinks Trauerarbeit
Sie sei ein Mensch, der nicht sofort Zugang zur Trauer habe. Anfangs sei sie wie betäubt. Erst dann beginne sie in einem lange dauernden Prozess den Verlust eine geliebten Menschen (oder andere Schicksalsschläge) zu verarbeiten. Deshalb ist es nur wenig überraschend, dass „When I Get There“ nicht der erste Schritt von Pinks Trauerarbeit ist. Schon zum ersten Todestag ihres Vaters, also im letzten Jahr im August, teilte die Sängerin ein paar Bilder bei Insta und schrieb sinngemäß:
Geborgenheit
Unmittelbar vor seinem Tod habe sie am Bett ihres Vaters gesessen. Er habe ruhig geschlafen. Dabei seien ihr eingefallen, dass sie als zwei- oder dreijähriges Mädchen während eines Gewitters große Angst hatte. Also sei sie aus ihrem Zimmer geschlichen, sei ins Bett ihres Vaters gekrochen und habe sich zu ihm gelegt. So wusste sie: Ihr Vater beschütze sie; bei ihm ist alles in Ordnung, hier fühlte sie sich geborgen.
In ähnlicher Weise habe sie an seinem Krankenbett gesessen und gehofft, er werde seine Bettdecke lüften und sie zu sich lassen. Und dann auf ein Lied warten, dass die beiden in einen ruhigen Schlaf fallen lassen.
Liebe und Geborgenheit weitergeben
Es kam anders. Und so bleibt der Sängerin nur, ihre Decke für ihre Kinder Willow und Jameson zu lüften, damit sie sich bei ihr Trost und Schutz suchen. Der Dank aber gebühre ihrem Vater: Weil er so vorbildlich mit ihr umgegangen ist, könne sie dies heute mit ihren Kindern tun. Natürlich schütze sie die Liebe der Menschen, die sie berühren könne. Aber ihre Liebe gelten auch denen, die sie in ihrem Herzen habe, die aber zu ihren nächsten Abenteuer aufgebrochen sei, wie eben ihr Vater. „Manchmal verlässt uns die Liebe einfach zu früh!“
Recht hat sie.
Statt euphorisch und kratzbürstig zeigt sich Pink dieses Mal verletztlich: „When I Get There“.
Der bei Radio Salü gesendete Beitrag ist eine Kurzfassung dieses Textes.
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