Lennon, John – Woman
„Frau, ich kann meine gemischten Gefühle zu meiner Gedankenlosigkeit kaum ausdrücken
Nach allem bin ich für immer in deiner Schuld.
Frau, ich werde versuchen, meine inneren Gefühle und meine Dankbarkeit auszudrücken
Weil du mir die Bedeutung des Gelingens gezeigt hast.“
So singt Ex-Beatle John Lennon in Woman – ein Song auf der LP „Double Fantasy“. Die einzige LP, mit der Lennon in den USA, UK und Österreich auf Platz eins kommt, bei uns immerhin auf Platz zwei. Das Unglaubliche: Drei Wochen nach Erscheinen des Albums wird John am 8. Dezember 1980 von einem geistig Verwirrten ermordet.
Kaum eine Musikerbiographie ist so schillernd wie die von John Lennon: Vater Seemann und selten zu Hause, Mutter bekommt ein Kind von einem anderem Mann. Die Ehe zerbricht. John wächst bei einer Tante auf – ein Trauma, das er Jahre später mit der Urschrei-Therapie zu verarbeiten sucht.
Dann ein Abend in einer Galerie: Lennon muss auf eine Leiter klettern, um unter der Raumdecke ein Schild lesen zu können. Nur ein einziges Wort steht dort: „Yes!“ Lebensbejahend, herausfordernd, genau das Richtige für Lennon. Der heiratet später die Künstlerin, Yoko Ono. Mit Schlagzeilen tauglichen Aktionen setzt John Lennon seine Popularität für die Schwachen ein, erhebt seine Stimme für die, die in der Gesellschaft keine Stimme haben. Gezielt provoziert er die Mächtigen dieser Welt: zum Beispiel durch Bed-Ins in Amsterdam und Montreal, dazu die Forderung „Give Peace A Chance“! Gemeinsam mit Yoko ruft John Lennon am 1. April 1973 den fiktiven Staat „Nutopia“ aus – Kunst im Dienst des Friedens. Denn „Nutopia“ kennt keine Grenzen, keine Pässe. Die Nationalhymne dieses Staates ist drei Sekunden lang und besteht… aus Stille, zu hören auf Lennons Album „Mind Games“.
Ohne Yoko wäre Lennon vielleicht immer Musiker geblieben. Durch sie wird er zum Künstler, zum Agent Provocateur. Gleichzeitig bewahrheitet sich in John Lennon die tiefe Geschlechterphilosopie der Bibel: „Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau!“ Darum – um durch sie seine Vollkommenheit zu erlangen, seine verborgene Seite zu entdecken. So ähnlich muss es wohl John Lennon gesehen haben. Deshalb widmet er Yoko gleich eine ganze Reihe von Songs. „Woman“ ist einer der reifsten davon. Zum 30. Todestag von John Lennon: Woman.
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