Mott The Hoople – All The Young Dudes
Abgeschirmt vom Alltag, raus aus der Tretmühle – in der Einsamkeit hat man oft die besten Ideen. Im Falle von Musikproduzent Guy Stevens war das kein Rückzug in ein Kloster – es reichte… ein Aufenthalt im Knast. Dort las Stevens eine Novelle des US-Kinderbuchautors Willard Manus: Mott The Hoople, die Story eines Landstreichers. Stevens wusste sofort: ein genialer Bandname! Kaum raus aus dem Knast, überredete er die bis dahin erfolglose Gruppe „Silence“ zum Namenswechsel. Per Annonce suchte man einen „hungrigen Sänger“ – und fand ihn in der Rockröhre Ian Hunter. Doch trotz des Namens und guter Live-Sets blieb es beim mäßigen Erfolg. Schon wollte man aufgeben. Da meldete sich ein Fan, bot der Band einen seiner Songs an, textete und komponierte gleich einen zweiten im Probenraum, angeblich im Schneidersitz auf dem Hosenboden. Titel: All The Young Dudes. Den machte die Band zu ihrem größten Hit. Der ominöse Fan war übrigens ein gewisser David Robert Jones, schon damals besser bekannt als David Bowie.
„Billy palavert jede Nacht über seinen Selbstmord,
wie er es sich in den Kopf geben würde mit 25.
Wendy klaut Klamotten bei Marks & Sparks
Freddy hat Flecken vom Abreißen der Sternchen aus seinem Gesicht.
Der Fernsehsprecher ist verrückt, sagt, wir sind jugendhafte rückständige Wracks.“
Kritiker hörten in „All The Young Dudes“ eine Verherrlichung des Glamrock. Denn da gibt es Hinweise auf Beatles, Stones und die Glamrocker T. Rex. Alles Quatsch, er-klärte Bowie in einem Interview. „Es ist ein Song über die Nachrichten, es ist das genaue Gegenteil von einer Hymne auf die Jugend!“ Der Song, so Bowie weiter, stehe in einer Reihe mit seinem Werk „Five Years“: Darin gehe es darum, dass die Erde noch fünf Jahre existiere. „All The Young Dudes“ warnt also vor dem Untergang der Welt. Vielleicht mit allem Drum und Dran, wie es die Bibel beschreibt: letzten Kämpfen zwischen Gut und Böse, am Ende der Triumph des Guten, der Tag des letzten Gerichts… und danach ein „Ewiges, goldenes Zeitalter“? Wer weiß!
Was der Einzelne angesichts der Untergangsprophezeiung zu tun hat, lässt Bowie offen! Dazu soll sich wohl jeder Hörer seine eigenen Gedanken machen. Damals wie übrigens auch heute. Mott The Hoople und „All The Young Dudes“.
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