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Cocker, Joe – Shelter Me

Die Schule schmiss er mit 16, arbeitete danach tagsüber als Installateur. Nachts jedoch stand er als Vance Arnold auf der Bühne. Das war 1961 und in den nächsten zwei Jahren. Doch 1964 dann der entscheidende Schritt: „Unser Mann“ wird durch seine Version der Lennon / McCartney Nummer „I´ll Cry Instead“ über Nacht bekannt. Eine Einladung zur legendären Ed Sullivan-Show in den USA folgt, später tritt er sogar beim Fillmore-East-Festival auf. Und dann… dann kommt Woodstock. Stark angetrunken tritt er auf die Bühne, rudert wild gestikulierend mit den Armen, singt sich die Seele aus dem Leib und schafft die ultimative Version eines weiteren Lennon / McCartney-Songs: „With A Little Help From My Friends“. A Star is born – und dieser Star heißt Joe Cocker. – Doch der Mann ist nicht nur ein Star, er ist auch verletzlich, kämpft gegen Alkohol und andere Drogen. Dabei braucht er mehr als nur die „Hilfe seiner Freunde“, er braucht auch jemanden, der ihm Schutz bietet. Zumindest singt er davon Jahre später in „Shelter Me“.

„Dies ist kein Platz für Verlierer oder unschuldig Dumme,
es ist ein Full-time-Job für jeden, der überleben will.
Die Straßen haben oberflächliche Abgrenzungen wegen des Krieges untereinander.
Was für ein Trümmerhaufen für zerbrochene Träume und Auftragskiller.“

Cocker beschreibt das Verhalten von Menschen zueinander. Menschen, die jegliches soziale Gefüge hinter sich gelassen haben, aneinander vorbeileben oder, wie der Philosoph Thomas Hobbes schon im 17. Jahrhundert erkannte: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. In einer derartigen Gesellschaft aber kann niemand überleben, meint Joe Cocker. Und deshalb klammert er sich an einen letzten Halt, an das, was ihm im täglichen Überlebenskampf noch geblieben ist. Im Song hört sich das so an:

„Schütze mich, Liebling, schütze mich. Wenn ich sitze, habe ich das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren, darum schütze mich.“

Wen genau Cocker in seinem Song anfleht, auf wen er seine Hoffnungen richtet, bleibt unklar. Zwar scheint es ein Mensch zu sein, aber es kann auch durchaus sein, dass Cocker in diesem Song Hilfe und Schutz von einer höheren Macht erbittet – einer Macht, die außerhalb menschlicher Kämpfe liegt. Und so kann man Cockers „Shelter Me“ durchaus als ein Gebet verstehen. Und selbst wenn es keins ist – notfalls probieren Sie es mal selbst. Aber vorher hören wir Joe Cocker und „Shelter Me“.

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