Wonder, Stevie aka Rednow, Eivets aka Judkins, Stevland Hardaway
Ob manch ein Künstler unter seinem Geburtsnamen ähnlich bekannt geworden wäre wie unter seinem Pseudonym? Wer weiß. Beispiel:
Stevie Wonder aka Eivets Redknow aka Stevland Jardaway Judkins
Gar nicht so leicht, wenn sich ein Künstler einen Künstlernamen zulegt und dann während seines langen musikalischen Schaffens weitere Pseudonyme verwendet. Fans wissen natürlich auf Anhieb: Der Mann, der als Stevland Jardaway Morris Judkins am 13. Mai 1950 in Saginaw, Michigan, geboren wird, ist heute in aller Welt als Stevie Wonder bekannt.
Karriereüberblick Stevie Wonder
Mit sagenhaften elf Jahren beginnt Stevie, beim legendären Motown-Label seine Musik zu machen – eine unglaublich dynamische Mischung aus Blues, R&B (, was damals tatsächlich noch echter Rhythm & Blues ist), Soul, Funk und, man glaubt es kaum, Spiritual und christliche Weihnachtslieder). Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von frommen Texten im Katalog des Künstlers, der vor allem in 1970er Jahre das erlebt, was man ganz gern eine „Hochphase“ nennt. Keine 1970er Jahre-Party ohne „Superstition“, keine „Lobeshymne“ auf Stevie Wonder ohne „Isn’t She Loveley“, „Sir Duke“ und 1980 dann „Happy Birthday“ und „Master Blaster“ zu erwähnen. Unvergessen auch das Duett mit Ex-Beatle Paul McCartney „Ebony And Ivory“, auch wenn wir da bereits bei Paulchens „Tug Of War“-Album aus dem Jahr 1982 angekommen sind. Oder, 1984, „I Just Called To Say I Love You“, für das er sogar einen Oscar erhält. Und, um noch einmal in die 1970er zu blicken, bitte keine Plattensammlung ohne „Innervisions“ (1973) und „Songs in the Key of Life“ (1976) als Minimum. Besser wäre da schon mehr.
Stevie Wonder galt und gilt als Erneuerer schwarzer Musik – was zwar auf einem Label wie Motown eine Art Programm ist, wenn auch nicht selbstverständlich.
Biographisches
Der Start in dieses Leben war für Stevland Judkins nicht gerade leicht. Fünf Geschwister, davon zwei älter, drei jünger, dazu Stevie, der deutlich zu früh geboren und in einem Inkubator fremd beatmet wird. Die fatale Konsequenz: Da sich aufgrund der künstlichen Beatmung bei Stevland die Netzhaut nicht richtig ausbilden kann, ist er seit frühester Jugend blind. Ein schwacher Trost: Wenn eines der Sinnesorgane seinen Dienst versagt, bilden sich die anderen umso stärker aus. Was bei Stevland dazu führt, dass er bereits mit vier Jahren im Kirchenchor mitsingt, mit neun Jahren leidlich Mundharmonika, Schlagzeug und Klavier spielt. Eine wesentliche Rolle bei dieser Form der musikalischen Früherziehung spielt sicher auch Mutter Lula Mae Hadaway, die lange als Songwriterin in der Musikbranche tätig ist.
Musikalisches
1958 erscheint die erste Single der Vokalgruppe „The Miracles“, die später den Namen ihres Frontmannes in den Gruppennamen integriert und sich von da an „Smokey Robinson & The Miracles“ nennt“. Durch Initiative von
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Steve verbeißt sich immer mehr in die Weiterentwicklung seiner Fähigkeiten als Musiker, studiert an einer speziellen Ausbildungsstätte für Blinde das Klavierspiel. Schritt für Schritt fordert er immer mehr Mitspracherechte bezüglich der Produktion seiner Veröffentlichungen ein.
1970 heiratet er Syreeta Wright, mit der er verschiedene Songs schreibt und bei deren ersten beiden Alben Stevie auch seine Fähigkeiten als Produzent einbringt und weiterentwickelt. (1972 trennen sich die beiden schon wieder.)
Moonlightning und Pseudonyme
Die Discogaphie von Stevie Wonder umfasst – je nach Zählweise – rund drei Dutzend Longplayer, darunter zum Teil auch Doppelalben. Darüber hinaus bedient er sich verschiedener Pseudonyme, mit denen er das berühmt-berüchtigte „Moonlightning“ betreibt, also offiziell auf den Veröffentlichungen anderer Musiker erscheinen kann, ohne gegen seinen exklusiven Vertrag mit seiner Plattenfirma zu verstoßen. So spielt er zum Beispiel auf dem Album „Perfect Angel“ von Minnie Riperton 1974 bei mehreren Stücken das Piano unter dem Pseudonym „El Toro Negro“, produziert und arrangiert 1981 als „A Friend“ zwei Songs des LaBelle-Albums „Pressure Cookin‘“ und produziert als „Scorbu Productions“ ein gutes Dutzend Veröffentlichungen verschiedener Künstler.
Eivest Rednow
Am auffälligsten ist das Pseudonym Eivest Rednow, bei dem er alle Buchstaben seines kompletten Namens von hinten nach vorn umstellt. Unter dem Pseudonym „Eivest Rednow“ veröffentlicht Stevie Wonder im November 1968 sogar ein komplettes, selbstbetiteltes Album. Dabei handelt es sich um ein reines Instrumental-Album, das man nicht direkt bei Motown verlegen will, erst recht nicht unter dem Namen „Stevie Wonder“. Stattdessen erscheint das Album bei Gordy Records. Dieses Label, 1962 und somit zwei Jahre später als Motown gegründet, gehört, wie bereits Motown und Tamla, demselben Mann, nämlich Berry Gordy jr. Produzent von „Eivest Rednow“ ist einer der damaligen Motown-Hausproduzenten, nämlich Henry R. „Hank“ Cosby. Gar so weit entfernt von Motown hat sich Stevie Wonder also nicht. „Eivest Rednow“ ist ein relativ ruhiges Album. Lediglich zwei Songs liegen bei 135 beats per minutes und höher, die restlichen sieben Songs liegen unter 120 bpm.
Zuerst erscheint lediglich eine Single, die die Burt Bacharach / Hal David-Kompositionen „Alfie“ b/w „A House Is Not A Home“ enthält. Auf dem Album spielt Stevie Wonder Mundharmonika, Klavier und Clavinet, zum Teil auch das Schlagzeug. Weitere Schlagzeugparts übernimmt Benny Benjamin, den Bass James Jamerson, beide Mitglieder der Motown-Hausband „The Funk Brothers“.
Erst spätere Wiederveröffentlichungen enthalten auf dem Albumcover neben dem Interpretennamen den Zusatz „How do you spell Stevie Wonder backwards“, also „Wie schreibt man Stevie Wonder rückwärts?“ Das Album ist mittlerweile bei Streaming Diensten als Stevie Wonder-Album gelistet. Es handelt sich um das erste Stevie Wonder-Album, bei dem bei mehreren Songs die Credits für das Songwriting ausschließlich bei Wonder liegen, wenn auch als „Stevland Judkins“.
Verbeugung vor Musikern
Der Titel „Bye Bye World“ steht in einer interessanten Reihung von Songs, mit denen Stevie Wonder seine Verbeugung vor anderen Musikern leistet. So enthält Wonders 1962 erschienenes, noch unter dem Namen Little Stevie Wonder veröffentlichtes zweites Album „Tribute To Uncle Ray“ ausschließlich Coversongs von Ray Charles, nicht zuletzt, weil ihn seine Plattenfirma zu diesem Zeitpunkt als „neuen Ray Charles“ etablieren möchte. Auf der Rückseite des Original-Plattencovers hebt Motown nicht nur die künstlerischen Qualitäten, sondern auch die Tatsache, dass beide Musiker blind sind, hervor.
„Eivets Rednow“ enthält 1968 mit „Bye Bye World“ eine musikalische Verbeugung vor dem Gitarristen Wes Montgomery.
Mit „Sir Duke“ veröffentlicht Stevie Wonder 1976 einen Song, der vor allem an den 1974 verstorbenen Duke Ellington, aber Wonders eigenen Angaben zufolge auch an Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, Count Basie und Sodarisa Miller erinnern soll, die im Song benannt und nach Wonders Ansicht zu schnell vergessen werden. Mit „Sir Duke“ wolle er diesen Künstlern seine Wertschätzung zeigen und sie vor dem Vergessenwerden bewahren.
Trivia
Stevie Wonder, der offiziell neun Kindern mit sechs verschiedenen Frauen gezeugt hat, ist seit 2014 bekennender Veganer. Bei den Trauerfeiern von Michael Jackson (2009), Whitney Houston (2012) und anlässlich eines Tribute-Konzerts zum Tod von Prince (2016) tritt Stevie Wonder als Trauerredner bzw. Musiker auf. Außerdem spielt er 2012 beim Diamond Jubilee (60jähriges Thronjubiläum) von Queen Elisabeth II. im Buckingham Palast.
Politisches Engagement
Politisch sorgt Wonder durch seine Unterstützung des Demokraten Barack Obama bei dessen Wahlkampf für die Präsidentschaftskandidatur 2008 für Schlagzeilen. Zur Amtseinführung Obamas veröffentlicht er 2009 den Song „All About the Love Again“.
Mit der Aktion #DreamStillLives erinnert er am 4. April 2018, dem 50. Todestag des Freiheitskämpfers und Baptistenpredigers Martin Luther King, daran, dass dessen Traum von einem Amerika ohne Rassismus noch immer keine Wirklichkeit geworden ist.
Das bereits erwähnte, mit Paul McCartney veröffentlichte „Ebony and Ivory“ zielt auf das friedliche Miteinander aller Menschen ab, egal welcher Hautfarbe. Als Wonder 1984 für seinen Song „I Just Called To Say I Love You“ (aus dem Gene Wilder-Film „The Woman In Red“) ein Oscar verliehen wird, widmet er diesen umgehend dem damals noch inhaftierten südafrikanischen Freiheitskämpfer Nelson Mandela und den Opfern des südafrikanischen Apartheidregimes.
Wohl kein Wunder, dass Stevie Wonder in den letzten Tagen – wie viele andere US-Prominente – mit der Forderung nach einem Ende der Polizeigewalt, vor allem gegen Schwarze, an die Öffentlichkeit getreten ist.
Tracy Chapman
Kleine Schmonzette zum Stichwort Mandela: Als Stevie Wonder 1988 bei einem „Free Nelson Mandela“-Konzert im Londoner Wembley-Stadio auftritt, muss er wegen eines technischen Problems mit seiner Software seinen Auftritt abbrechen. Als Ersatz schicken die Veranstalter die damals noch unbekannte Künstlerin Tracy Chapman für ein zweites, dieses Mal akustisches Set auf die Bühne. Chapman wird durch diesen Auftritt zum Weltstar. Was aber weder für Stevie Wonder noch für Eivets Rednow besonders interessant gewesen sein dürfte…
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