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Dennis Lloyd aka Nir Tibor

Ob manch ein Künstler unter seinem Geburtsnamen ähnlich bekannt geworden wäre wie unter seinem Pseudonym? Wer weiß. Beispiel:

Dennis Lloyd aka Nir Tibor

28 Jahre wird Dennis Lloyd im Juni – und hat die ersten Stufen einer beeindruckenden Karriere bereits hinter sich. Und wie es so aussieht, werden eine Menge weiterer Stufen folgen. Allzu viele Interpreten, die aus Israel stammen und eine internationale Karriere in der Pop- und Rockszene hinlegen konnten, gibt es nicht.

Popmusik aus Israel

Ofra Haza, eigentlich Ofra Chaza gehört dazu – aber diese spannende Künstlerin ist bereits im Jahr 2000 verstorben. Im Plattenschrank der Eltern oder Großeltern gibt es vielleicht noch Vinylscheiben aus den 1960er Jahren, besungen von Esther & Abi Ofarim. Vielleicht stehen daneben sogar ein paar Platten von Daliah Lewinbuk. Allerdings dürfte auf den Plattencovern dann Daliah Lavi stehen. Aber das war es dann auch schon so langsam in Sachen international erfolgreicher Künstler aus Israel. Dabei hätten es viele israelische Künstler verdient, in den internationalen Charts mehr Beachtung zu finden.
Einer von ihnen, der neuerdings diese Lücke füllt, ist also Nir Tibor. Und auch hier klebt ein anderes, international klingenderes Etikett auf der Ware: Als Dennis Lloyd sind wohl eher ein paar Blumentöpfe zu gewinnen als mit dem Geburtsnamen des im Nordwesten der israelischen Großstadt Tel Aviv geborenen Produzenten, Sängers, Songwriters und Multi-Instrumentalisten. Er habe die Hoffnung, dass Musikhörer mit diesem Namen etwas verbinden würden – zumindest mehr als mit Nir Tibor, so der Künstler im Interview.

Kindheit, Jugend, Militär und Bangkok

Nir stammt aus einer ganz normalen jüdischen Familie. Mit acht Jahren erlernte er das Trompetenspielen, brachte sich mit etwa 13 Jahren selbst das Gitarrenspiel bei. Einen großen Schritt in Sachen musikalische Ausbildung machte er, als er die Thelma Yellin High School of the Arts besuchte und dort ein Studium des Jazzgesangs absolvierte. Gleichzeit allerdings schrieb er Popsongs, was ihm die Missachtung einiger seiner Kommilitonen einbrachte.
Juden unterliegen in Israel ab dem Erreichen des 18. Lebensjahres der Wehrpflicht – übrigens auch Frauen. Männer werden in der Regel für 2 ½ Jahre, Frauen für zwei Jahre eingezogen. Nir tat drei Jahre in der Marine Dienst. Danach wandte er sich wieder verstärkt der Musik zu, veröffentlichte im Jahr 2015 mit „Playa (Say That)“ einen ersten Song. Anschließend ging er für ein Jahr nach Bangkok.

Panikattacken, Ängste und Spotify-Star

Wie erst anlässlich der Veröffentlichung von „Anxious“ in 2021 einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird, versagen ihm in Bangkok im Zusammenhang mit einem Auftritt die Nerven. Ängste und massive Panikattacken sind die Folge. Dennis wird krank, verkriecht sich, sieht sich aber gleichzeitig mit der Situation konfrontiert, im fremden Land festzusitzen und quasi mittellos zu sein. Wie es die Legende so will, fehlt ihm sogar das Geld für einen Internetzugang. Was sich aber sogar als Glücksfall erweist: Denn in dieser Phase kümmert sich Dennis um neue Songs. Angeblich schreibt er in Thailand mehr als 35 Titel und remixt mehrere ältere Titel, darunter auch „Nevermind“. Da er keine aktuelle Musik hören konnte, war er unbeeinflusst und konnte sich tief in seine eigene Kreativität verbeißen, so der Künstler sinngemäß. Als er in 2016 wieder nach Israel zurückkehrt, ist „Nevermind“ bereits ein Riesenhit bei Spotify. Da dieser Streaming Dienst in Israel zu dieser Zeit noch weniger verbreitet ist als heute, erfährt Dennis erst durch Anfragen von Journalisten und Plattenlabeln von seinem Erfolg. Über 500 Millionen Downloads bei Spotify und mehr als 1 ½ Millionen bei Shazam können quasi nicht irren.

Commercials und Touren

Die nächsten Karriereschritte folgen prompt: Im Sommer 2017 erscheint ein YouTube-Video, in dem Dennis „Leftover“ in einer akustischen Version spielt. Da er vor allem in Italien populär ist, beginnt er dort im Mai 2018 eine Tour, die ihn durch verschiedene Länder in Europa und durch die USA führt. In 2019 verwendet der Autobauer BMW den Song, um die neue 3er-Reihe vorzustellen. Um gleich noch eine weitere Verwendung in der Werbung anzufügen: Der Song „Wild West“ findet Verwendung bei FIFA 20 und erscheint auch auf dem gleichnamigen Soundtrack.

Zwischenzeitlich allerdings veröffentlicht Dennis Lloyd die Single „Never Go Back“, die ihm wohlwollende Kritiken im Billboard Magazine und anderen Publikationen einbringt. Mit drei weiteren Songs und einem Intro wird daraus die EP „Exidents“. Die „Never Go Back“-Tour, die Dennis durch Nord Amerika und Australien führt, ist ausverkauft. Eine Einladung zum renommierten Montreux Jazz Festival, um nur eines von verschiedenen Festivals zu benennen, folgt.

Mittlerweile arbeitet Dennis Lloyd an seinem Debütalbum, das, soweit Corona das zulässt, noch im Jahr 2021 erscheinen soll. Ob sich das Nir Tabor oder die Kommilitonen aus dem Jazzstudium hätten träumen lassen? Vermutlich nicht.

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