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Wenn Kinder Kinder kriegen – schwanger mit Vierzehn (10. April)

Als Journalist zu arbeiten, ist ein spannender Beruf, oftmals auch eine Herausforderung. Gelegentlich jedoch ganz sicher ein Privileg: Man trifft auf Menschen, denen man sonst nie begegnet wäre, lernt Lebenseinstellungen und Lebensentwürfe kennen, die ganz anders sind als die eigenen. Und manchmal erfährt man auch Dinge hautnah, bevor sie

die breite Öffentlichkeit mitbekommt. So war das Mitte April 2013, als ich in einer Preview im kleinen Kreis kurz vor dem Kinostart den Film „Vierzehn“ sehen durfte.

Inhalt „Vierzehn“
Der Film handelt von vier jungen Frauen, die ihr Kind zur Welt bringen – eigentlich nichts Besonderes. Aber in diesem Fall sind die jungen Frauen allesamt Mädchen, gerade einmal 14 Jahre alt. Wie sie mit sich ringen, auf welche Probleme sie stoßen und warum sie trotzdem „Ja zum Leben“ sagen, nicht abtreiben, nicht anonym gebären, ihr Kind weder in eine Babyklappe geben, noch zur Adoption freigeben – genau das zeigt der Dokumentarfilm „Vierzehn“. In diesem Film spielt niemand eine Rolle, hier gibt es keine vorgefertigten Texte. Die Kamera begleitet die Mädchen während der Schwangerschaft. Ein grandioser Film, der mich sofort tief beeindruckt hat. Ein Film, der bis heute nichts an Aktualität verloren hat. Denn noch immer „klappt es beim ersten Mal“, werden viel zu junge Mädchen viel zu früh ungewollt schwanger. Und noch immer stehen sie vor folgenschweren Entscheidungen.

Probleme
Na klar kann man, wenn man unbedingt will, kritisch mit den Hauptfiguren umgehen: Muss man mit dreizehn oder vierzehn Jahre Sex haben? Muss man schwanger werden? Nein, muss man nicht. Aber diese Fragen zu stellen, hilft überhaupt nicht weiter, wenn es nun einmal passiert ist. Weiter hilft nur: für die werdende Mutter da sein – auch wenn man sich mit diesem Gedanken erst einmal anfreunden muss, dass Kinder Kinder kriegen. Dass die Beziehungen, in denen die Kinder gezeugt wurden, in die Brüche gehen – das ist in diesem Alter vorherzusehen. Dass die Mädchen Probleme und Schwierigkeiten bekommen, auch. Mit Schwangerschaftsbauch in die Schule, durch die Straßen zu gehen, hat besonders in diesem Alter auch etwas mit dem Kopf zu tun: „Jetzt weiß jeder in unserer Stadt, dass ich mit vierzehn Jahren schon Sex hatte“ – ein Gedanke, mit dem man als Heranwachsende erst einmal klarkommen muss.

Gänsehautfeeling
Zwei Dinge sind für mich an diesem Film besonders beeindruckend: zum einen


die unauffällige, ausschließlich begleitende, zu keinem Zeitpunkt wertende Kameraarbeit von Regisseurin Cornelia Grünberg. Zum anderen, wie die vier Mädchen „Ja“ zum Leben sagen. Freunde, Bekannte, Verwandte – alle haben zur Abtreibung geraten, berichtet eines der Mädchen. Das habe so viel Kraft gekostet, dass sie auch einen Termin gemacht habe. Aber als es dann so weit war, da wurde ihr klar: Du kannst dein Kind nicht einfach wegmachen lassen. Du kannst, du willst nicht über Leben und Tod eines werdenden Lebens entscheiden. Im Film eine Szene, in der ich eine Gänsehaut bekommen habe.

Ein starkes Wort, eine schwerwiegende Entscheidung für ein Mädchen, das im Verlauf der nächsten Monate, immer in Begleitung der Kamera, zu einer Frau heranreift. Eine ganz, ganz starke junge Frau sagt „Ja“ zum Leben. Allen Widrigkeiten zum Trotz, gegen alle Ratschläge all derer, die es doch nur gut mir ihr meinen. Dass ihre Entscheidungen an den vier Mädchen nicht spurlos vorübergehen, dass das Leben nicht leicht ist, sieht man allen Mädchen an. Aber auch, dass sie an den Problemen ihres Lebens reifen. Sehr erwachsen wirken sie am Ende des Films. Erwachsen und zufrieden. Zufrieden, es geschafft zu haben. Ein unglaublich hoffnungsvoller, Mut machender Film. Allen Widrigkeiten zum Trotz.

Langzeitprojekt als Plädoyer zum Leben
Regisseurin Cornelia Grünberg hat während der Dreharbeiten eine bemerkenswerte Beziehung zu den vier Mädchen aufgebaut. Eine, die so distanziert war, dass die Regisseurin professionell ihre Arbeit tun konnte, gleichzeitig eine, die so freundschaftlich war, dass die Mädchen die große Nähe zulassen konnten.
Mittlerweile konnte Cornelia Grünberg „Achtzehn“ veröffentlichen, ein ebenso sehenswerter Film, der dieselben vier Mädchen weitere vier Jahre begleitet hat. Mit Aufs und Abs, Höhen und Tiefen. Demnächst wird es im Rahmen des Langzeitprojekts einen dritten Film geben, der die „Kinder der Kinder“ von der Geburt bis zur Pubertät begleitet. Besonders gespannt bin ich aber heute schon auf „Achtundzwanzig“, auch wenn dieser Film wohl frühestens 2026 erscheinen wird. Im Mittelpunkt werden die dann vierzehnjährigen „Kinder der Kinder“ stehen – Kinder, die dann genauso alt sind wie ihre Mütter, als diese sie geboren haben. Die dann genauso alt sie wie seinerzeit die, die als Kinder Kinder bekamen.
Und ich hoffe sehr, dass ich frühzeitig vor dem Kinostart von der Fertigstellung des Films erfahren werde. Denn manchmal ist es schon ein Privileg, als Journalist tätig zu sein…

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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