Wahre Liebe: glücklich, wer solche Freunde hat (22. April)
Ich weiß ja, das ist albern und unsinnig. Aber ich habe es trotzdem gemacht. Und ich wette, Sie auch schon mal. Zumindest, wenn Sie sich auch sonst immer mal im Internet herumtreiben: einfach mal den eigenen Namen bei Google eingeben und dann abwarten, was passiert. X-Mal habe ich mich selbst gefunden, mit allem, was ich so mache. Etwas über meine Arbeit, etwas über Texte wie diesen hier, etwas
über meine Bücher. Und etwas über Leute, die genau so heißen wie ich, aber doch andere Menschen sind. Der Elektronikhändler in Dinslaken – das bin ich zum Beispiel nicht. Das ist ein anderer Mensch, der nun mal zufälligerweise so heißt wie ich. Verwandtschaft? Keine Ahnung. Ist auch nicht so wichtig.
Bei all dem Wust an Informationen bin ich aber auch auf etwas gestoßen, womit ich nie gerechnet hätte:
Ein Song über mich?
Es gibt einen Song, der meinen Namen trägt. Okay, nur den Nachnamen, aber immerhin. Habe ich heimliche Fans? Leute, die mich bewundern? Jemanden, der einen Song über mich geschrieben hat? Natürlich habe ich mir diese Frage nicht ernsthaft gestellt.
Aber ich habe nachgeforscht. Der Song stammt von einer Band; Ansprechpartner ist eines der Bandmitglieder, das genau so heißt wie ein ehemaliger Klassenkamerad. Meine Frau hätte bereits an dieser Stelle gesagt: „Jetzt erfindest du wieder eine Story!“ Ich habe gedacht: „Das kann einfach nicht wahr sein! Oder doch?“ Zumal die Band zwar nicht aus meiner Heimatstadt stammt, dafür aber aus der direkten Nachbarstadt. Im Ruhrgebiet, wo die Stadtgrenzen eh verschwimmen, ist das ganz einfach: Zuhause! Wobei es viele Möglichkeiten gibt, den Namen meines ehemaligen Klassenkameraden zu schreiben. Denn er heißt – kein Quatsch – „Meier“: Aber ob sich mein Klassenkamerad „Meier“, „Meyer“ oder vielleicht sogar eher bayerisch „Maier“ schrieb, weiß ich beim besten Willen nicht mehr.
Weil mir die ganze Sache keine Ruhe ließ, kontaktierte ich Herrn Meier. Ob er wohl mein alter Klassenkamerad war? Wahrscheinlich denkt er, du hast einen an der Klatsche, dachte ich, als ich ihm die Geschichte schrieb. Was aber dann passierte, hat mich umgehauen. Herr Meier antwortete nämlich ziemlich zügig und schrieb mir folgende Geschichte:
Die Geschichte hinter dem Song
Ein paar Jahre zuvor, irgendwo im Ruhrgebiet. Schneckentempo auf der Autobahn. Und plötzlich rollt ein Wagen ganz langsam, aber ungebremst in die Leitplanke. Eine Frau im nachfolgenden Wagen reagiert sofort: Sie hält, springt aus dem Auto, kümmert sich um den Fahrer. Der hat einen Herzinfarkt erlitten – und hat Glück im Unglück. Denn die
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beherzte Autofahrerin ist Krankenschwester. Dank ihrer Hilfe überlebt der Mann. Allerdings: Er muss mit Behinderungen leben. Mit schweren Behinderungen. Obwohl sich sein Gesundheitszustand verbessert, kennt er auch Jahre später seine alten Freunde kaum wieder. Nur wenn sie die alten Lieder aus ihrer Sturm- und Drangphase mit ihm singen, dann ist er völlig wach, präsent und irgendwie dabei. Dann fühlt er sich geborgen, angenommen, geliebt. Und das wird er. So sehr, dass einer seiner Freunde mit seiner Band einen Song über ihn macht. Und der heißt schlicht „Depta“.
Vorbildlich
Abigale nennt sich die Gruppe, die diesen Song veröffentlicht hat. Ein Song, der Liebe und Zuwendung ausdrückt, der einem geliebten Freund ein musikalisches Denkmal setzt. Und der das größte Versprechen wahr macht, das man einem Menschen geben kann: „Ich bin für dich da.“ Für andere da sein – manchmal scheint das so unglaublich schwierig zu sein. Aber irgendwie kann es jeder. Jeder auf seine Weise.
Herr Meier hat seinem Brief an mich übrigens gleich noch zwei CDs beigelegt. Auf einer ist der Song enthalten, der zwar meinen Namen trägt, aber nicht von mir handelt. Danke, Herr Meier! Gefällt mir! Und: glücklich, wer solche Freunde hat.
Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.
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