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Bloß kein Jackpot – Angst vor dem großen Geld (30. Juli)

Gehören Sie auch zu denen, die gerne mal den Jackpot knacken würden? Mal so 10, 15, ach was, 20 Millionen einsacken? Die bislang höchste Summe, die ein Tipper gewann, lag in Deutschland bei über 46 Millionen Euro. Dafür muss eine alte Frau lange stricken! Die meisten Tipper wissen ganz genau, was sie mit dem Geld tun würden. Denn schließlich hätten sie Geld für alles, was sie schon immer mal kaufen wollten: Autos, Wohnhaus, Wochenendhaus, Ferienhaus, Urlaub, noch mal Urlaub. Und vor allem: nie wieder arbeiten. Nie wieder arbeiten, und trotzdem versorgt sein. Der Einsatz dafür: nur ein paar Euro. Wenn die fehlen,

Eher vom Blitz getroffen

merken das die meisten Menschen in unserem Land noch nicht einmal im Portemonnaie. Leider muss man allerdings sagen: Die Chance, so richtig abzuräumen, ist geringer als die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden. Eins zu über 13 Millionen, sagt man. Aber die Möglichkeiten, wenn es klappen würde: gigantisch! Deshalb gehen ja Millionen von Tippscheinen Woche für Woche über die Theken der Lottobuden. Kein Wunder, dass die Ziehung der Lottozahlen vor bald 40 Jahren Eingang in einen Song von BAP gefunden haben. Damals, als es im Deutschen Fernsehen noch einen Sendeschluss – so auch der Name des Songs – gab und Übertragungen aus dem Hamburger Ohnesorg-Theater die Nation unterhielten. Übrigens: Im BAP-Song gibt es auch die beiläufig hingestreute Gewissheit, dass das mit den Lottozahlen mal wieder nicht geklappt hat.

Bloß kein Jackpot

Mein Nachbar spielt auch. Regelmäßig, Samstag für Samstag. Und mittwochs. Aber den Jackpot will er nicht. Auf keinen Fall. Die Sorge um das liebe Geld würde ihn nur aufreiben, meint er. Ständig die Angst, das Geld wieder zu verlieren. Immer die Bemühungen, das Geld sinnvoll anzulegen, möglichst noch zu vermehren. Dazu der Neid von Freunden, Bekannten und Verwandten – das alles will er nicht. Und weil er zu viele Krimis guckt, hat er noch eine andere Sorge: dass Hacker die Datenbank des Deutschen Lottoblocks knacken, herausbekommen, wo er wohnt, und dann seine Kinder kidnappen. Nur um an sein Geld zu kommen. So würde aus Glück blitzschnell großes Unglück.

Wohin nur mit dem Geld?

Den Jackpot – nein, danke. Lieber einen mittleren Gewinn. Einen, der den Kindern ein ordentliches Startkapital bescheren würde. Einen, der das Leben im Alter sicherer macht. Ein ausgedehnter Urlaub – das ist ja trotz Impfung in diesen verrückten Coronazeiten immer noch so eine Sache. Aber vielleicht ein neues Auto. Das wäre was. Aber dann die ironisch gemeinte Frage der Arbeitskollegen: „Wohl im Lotto gewonnen?“ Diese Frage könne er jetzt schon hören. Jetzt, wo er noch gar nicht gewonnen hat. Denn zur Arbeit

gehe er ohnehin gern und würde auch weiterhin arbeiten gehen – nur damit man nicht merkt, dass er im Lotto gewonnen hat. Nein, nein, gewinnen gerne, aber bloß keinen Jackpot. So ist mein Nachbar eben!

Ich finde: Man kann auch alles übertreiben. Trotzdem kann ich nachvollziehen, was mein Nachbar meint. Schließlich hat er auch einen schlauen Spruch parat. Genau genommen sogar gleich zwei. Der erste: Mag sein, dass Geld beruhigt – glücklich macht es nicht unbedingt. Und: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt. Völlig untypisch für ihn zitiert mein Nachbar an dieser Stelle die Bibel.

Börse oder Bierchen?

Klar ist: Ohne Geld geht in dieser Welt gar nichts. Aber vielleicht hat mein Nachbar wirklich recht: Zuviel Geld kann dich verändern, kann deinen Blick auf Dinge lenken, die für das Leben in Wirklichkeit gar nicht so wichtig sind. Will ich mich ständig mit meinem Anlageberater treffen oder lieber mit meinen Freunden ein Bier trinken gehen? Will ich mit einer ängstlichen Spannung die Börsennachrichten verfolgen oder lieber einen unterhaltsamen Krimi lesen? Für mich ist die Antwort klar. Für meinen Nachbarn auch. Der will zwar gewinnen – aber um Gottes willen nicht den Jackpot knacken. Bleibt nur die Frage was passiert, wenn er es aus Versehen doch einmal tut.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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