Gefangen im Altkleidercontainer (17. Mai)
Manchmal bin ich schadenfroh. Ich weiß: Das ist nicht gerade ein Ruhmesblatt. Aber zumindest in diesem Fall hoffe ich, dass der liebe Gott ein Einsehen hat und mir meine Schadenfreude nicht allzu schlimm ankreidet. Und Sie hoffentlich auch nicht.
Worum es geht? Sie kennen die Altkleidercontainer, die
in vielen unserer Städte aufgestellt sind. Hilfsorganisationen erbitten brauchbare Kleiderspenden für Menschen, die es nötiger haben als Sie und ich.
Spenden macht frei
In diese Altkleidercontainer werfe ich immer wieder mal Kleidungsstücke ein. Von Zeit zu Zeit den Kleiderschrank auszumisten, sich von Sachen, die man eh nicht mehr anzieht, zu trennen, hat etwas Befreiendes. Was nutzen mir Sachen im Kleiderschrank, von denen ich genau weiß, dass ich sie nie wieder tragen werde? Sie in den Hausmüll zu geben – das bringe ich nichts übers Herz. Dazu sind die meisten Stücke noch viel zu gut. Da ist es doch eine geniale Idee, mit brauchbaren Kleiderspenden Menschen in Not zu helfen: nach Katastrophen, in Kriegsgebieten, Menschen auf der Flucht. Wer zum Beispiel aus einem dauerhaft warmen Land in den deutschen Winter flüchtet, hat nichts Warmes anzuziehen. Ausmisten und mit meiner abgelegten Kleidung noch anderen Menschen zu helfen, gibt mir zudem noch ein gutes Gefühl. Auch wenn ich die Vorwürfe kenne, dass Altkleidersammlungen bei uns Arbeitsplätze in Afrika vernichten, denke ich: eine win-win-Situationen für Hilfsbedürftige und mich. Das gilt selbst dann, wenn aus meinen alten Klamotten Putzlappen hergestellt werden sollten: Dann hat zumindest die Umwelt etwas davon.
Gefangen im Altkleidercontainter
Zurück zum konkreten Fall, ja, zum Fall meiner Schadenfreude: Immer wieder kommt es vor, dass sich Menschen auf eigene Faust aus einem Altkleidercontainer bedienen und die Spendenbox als Selbstbedienungsladen missbrauchen. Im Süddeutschen hatte ein Altkleiderdieb dabei so richtig Pech: Beim Fischen im Trüben verliert er den Halt und plumpst unfreiwillig in den Container.
Noch größeres Pech allerdings, dass er zwar unfreiwillig hineinkommt, nun aber auch unfreiwillig festgehalten wird. Denn jetzt erfüllt die eingebaute Diebstahlsicherung tatsächlich ihren Zweck. Also braucht es die Feuerwehr, die den Mann befreit. Und wohl auch die Polizei mit auf den Plan ruft. Bei einer Hausdurchsuchung entdeckt die gleich ein ganzes Warenlager von Altkleidern. Nun also massiv unter Druck gesteht der Dieb, immer wieder Altkleidercontainer zu plündern. Online verscherbelt er dann die entwendeten Kleidungsstücke und verdient sich ein paar Euro dazu. Ein paar viele Euro, wie die Überprüfung der Eingänge auf seinem Konto später ergibt.Gerechte Strafe
Nun glaube ich zwar nicht daran, dass der liebe Gott kleine Sünden sprichwörtlich sofort bestraft. Aber ich finde es prima, dass der dreiste Dieb aufgeflogen ist. Denn wer Kleidungsstücke in eine Sammelbox packt, will Institutionen unterstützen, gezielte Hilfe zu leisten. Wer aber diese Spenden stiehlt, bestiehlt ja im Grunde nicht die Organisationen, sondern ausgerechnet diejenigen, die sowie schon nichts haben. Was nicht im Container ist, kann nicht bei Hilfsbedürftigen ankommen, oder? Egoismus gegen Nächstenliebe? Da freue ich mich dann doch, wenn der Egoismus auf der Strecke bleibt.
Übrigens: Ein Fall, der zum Nachdenken anregt. Niemand kann die Welt allein retten. Aber Alltagsentscheidungen stärker zu reflektieren und dann möglicherweise anders zu handeln, kann eine Menge bewirken. Und wenn man „nur“ einmal darüber nachdenkt, wo das eigene, möglicherweise ziemlich egozentrierte Verhalten andere übervorteilt, die es viel nötiger haben als man selbst.
Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.
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