72-Stunden-Aktion (10. Mai)
„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute […] widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, […] tyrannisieren ihre Lehrer.“
Diese Sätze sind nicht neu. Sie sind die häufig
zitierten Sätze des alten Sokrates, jenes Philosophen also, der im Jahr 399 vor Christus gestorben ist. Seine Erkenntnisse über die Jugend sind also fast zweieinhalb Tausend Jahre alt. Und sie sind zum Teil eindeutig falsch.
Nur zum Teil Recht
Ja, die Jugend widerspricht ihren Eltern und Lehrern, weil die in Sachen Umweltschutz und Weltklima viel zu träge sind. Und immer wieder zeigt die Jugend, dass sie zu den Motoren für einen gesellschaftlichen Wandel gehört. Fairerweise muss man sagen: Die, auf die die Beschreibung des alten Sokrates zutrifft, gibt es auch. Nichtsnutze – so hätte man sie wohl noch vor einigen Jahrzehnten im Sinne des griechischen Philosophen genannt. Aber der Blick soll auf die anderen fallen, auf die, die sich engagieren.
Die größte Jugendsozialaktion der Welt ist die sogenannte 72-Stunden-Aktion. Wer bislang Presseinfos zur 72-Stunden-Aktion vermisst hat und deshalb an dieser Stelle nun fragt: „Ja, findet denn die 72-Stunden-Aktion in diesem Jahr doch wieder statt“, dem sei gesagt: Noch weiß man das nicht so genau! Im Frühsommer, dem mittlerweile angestammten Aktionszeitraum, fällt die 72-Stunden-Aktion wie im letzten Jahr auch in diesem Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer. Aber da die Inzidenzen bundesweit sinken, treten die ersten Verbände auf den Plan, die die 72-Stunden-Aktion im September durchführen wollen. Das sieht doch nach Licht im Ende des Tunnels aus!
72-Stunden-Aktion – Was ist das?
Um was es überhaupt geht? Gruppen melden sich rechtzeitig an, ein Organisationskomitee erarbeitet Aufgaben, die den Gruppen zugelost werden. Zu einem festen Zeitpunkt, in der Regel
um 17.07 Uhr des Starttages, werden den Jugendlichen ihre Aufgaben mitgeteilt. Und dann haben sie 72 Stunden Zeit, diese Aufgaben zu erfüllen. Spannende Sachen sind dabei. So geben Jugendliche Computerkurse in Altenheimen, säubern Waldstücke, bauen Spielplätze, pflastern Pausenhöfe und vieles mehr. Zuletzt waren bundesweit über 160.000 Jugendliche im Einsatz, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Tja, oller Sokrates, das hättest du nicht gedacht, oder?
Sponsoren
Die Geschichte dieser größten deutschen Sozialaktion reicht zurück bis in die frühen 1990er Jahre. Federführend ist heute der Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Eine großartige Aktion, bei der sich Jugendliche für andere Menschen engagieren – eine Aktion, bei der die Jugendlichen auch die Hilfe engagierter Erwachsener in Anspruch nehmen dürfen. Denn Farbe und Pinsel zum Anstreichen eines Kindergartens sollen die Jugendlichen nicht etwa selbst bezahlen. Dafür brauchen sie Sponsoren. Und für die Blumen, Büsche und Sträucher zur Anlage eines Gartens rund um die Sozialstation natürlich auch. Diese Sponsoren aufzutreiben, gehört auch zu dem, was die Jugendlichen innerhalb der 72 Stunden leisten müssen. Alles in allem also eine ganze Menge.
Medienpartner und Schirmherren
Im Verlauf der Jahre sind Radiosender zu Medienpartnern geworden, Prominente zu Schirmherren. So stellt sich in Schleswig-Holstein der Schauspieler und Drehbuchautor Detlev Bucks ganz in den Dienst der Aktion. Und die wird in Schleswig-Holstein auch stattfinden. Zwar nicht jetzt im Frühsommer oder Sommer. Aber, wenn die Inzidenzen es zulassen, im September. Und falls die Aktion dann doch nicht möglich ist, wird es in diesem Jahr für die 72-Stunden-Aktion einen Plan B geben. Zumindest in Schleswig-Holstein, versprechen die dortigen Initiatoren.
Dann eben im September
Kann man nur hoffen, dass in den nächsten Wochen auch andernorts in Deutschland die Pandemie ihren Schrecken verliert und die 72-Stunden-Aktion in diesem Jahr doch noch über die Bühne gehen kann. 72 Stunden, in denen Jugendliche zeigen, dass helfen Spaß macht. Gemeinsam helfen, zusammen arbeiten und miteinander feiern. Aber Gewinner sind am Ende… alle. 72 Stunden auf einem Weg zu einer besseren Gesellschaft. Wenn nicht in diesen Tagen, dann eben im September.
Wie war das doch noch gleich? „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute […] widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, […] tyrannisieren ihre Lehrer.“
Wenn sie es auf diese Weise tun und den Erwachsenen zeigen, wie man die Welt zum Positiven verändern kann, dann bitte immer wieder gerne.
Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.
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