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Karfreitag – leicht erklärt (2. April)

Für Christen ist klar: Heute, am Karfreitag, denken sie an den Tod Jesu. Rund 2000 Jahre liegt der nun zurück. An ihn erinnert wird in jeder katholischen Messfeier und in unterschiedlichen Gottesdiensten der christlichen Kirchen.
War gestern, am Gründonnerstag, der Namensgeber für den Tag das althochdeutsche Wort grunen“ oder „gronan“, ist es heute das Wort „kara“. Das steht für

Wehklagen und meint eine Steigerung, eine intensivere Form des Weinens und Greinens. Was nicht weiter verwundert: Gab es am Gründonnerstag ein letztes gemeinsames Abendbrot von Jesus mit seinen Jüngern verbunden mit Weisungen Jesu, denen dann der Judaskuss und Jesu Verhaftung folgte, kommt es am Karfreitag in einem Blitzprozess mit Verurteilung und Hinrichtung. Für Martin Luther Grund genug, den Karfreitag zum höchsten Feiertag der evangelischen Kirchen zu machen. Anders bei Katholiken: Da wird am Karfreitag die Eucharistiefeier durch einen einfachen Wortgottesdienst, also ohne die für die katholische Messfeier typische Wandlung, ersetzt. Mancherorts findet vorab eine sogenannte Karfreitagsprozession voraus, wenn Sie so wollen ein Schweigemarsch, eine sehr lange Gedenkminute aus Anlass des Todes Jesu.

Schweigen der Kirchenglocken
Zu diesem Schweigemarsch passt auch das Schweigen der Kirchenglocken. Wie bereits im Beitrag zum Gründonnerstag beschrieben, sind alle Kirchenglocken der Welt zur Inventur in Rom. Dass Sie nichts von einem Verkehrschaos auf den Glockenautobahnen zum Vatikan gehört haben, liegt daran, dass sich hier lediglich der Volksglaube eines Bildes bedient. Tatsächlich schweigen die Glocken aus Ehrfurcht vor dem Todestag Jesu, und zwar seit dem Gloria im Gründonnerstagsgottesdienst bis zur Feier der Osternacht am Abend des Karsamstags. Still ist es aber deshalb noch lange nicht. Mit dem Tod Jesu ist alles anders, sagt dieses Brauchtum. Es sagt nicht: Da gibt es nichts.

Karfreitagsklappern / Klappern am Karfreitag
Klappern gehört zum Handwerk – so lautet ein alter Spruch aus dem Mittelalter. Mit hölzernen Klappern machten damals nämlich Händler auf ihre Waren aufmerksam. Menschen in ländlichen Gebieten von Osthessen und Franken, Teilen des Rheinlands, Westfalens, des Hundsrücks, der Eifel und in weiten Teilen Österreichs wissen bereits, worauf der nachfolgende Abschnitt abzielt: auf das sogenannte Karfreitagsklappern. Messdiener ziehen mit hölzernen Ratschen, Knarren oder Klappern durch die Dörfer. Stellen Sie sich einen hölzernen Resonanzkasten vor, auf den mehrere Hämmer herabprallen. Das ganze Gerät muss nicht groß sein, um einen ohrenbetäubenden Lärm zu entfachen.

Wie vieles hat auch das Klappern einen ganz praktischen Ursprung: Früher, in einer Zeit ohne Armbanduhr, erst recht ohne Handy, wäre kaum jemand pünktlich zum Gottesdienst gekommen, wenn nicht die Kirchenglocken eine Viertelstunde vorher geläutet hätten: „Jetzt ist es Zeit, jetzt geh los.“ Und fünf Minuten vor Beginn des Gottesdienstes dann: „Nun beeile dich aber, wenn du nicht zu spät kommen willst.“ Da ja, wie Sie nun wissen und selbst beobachten können, die Glocken schweigen, es am Karfreitag aber trotzdem Gottesdienste gibt, übernehmen die Klappern den Ruf zum Gottesdienst.

Dass das Karfreitagsklappern auch den Tagesanbruch verkündet und den Menschen zu „unchristlichen Zeiten“ zuruft: „Es ist Zeit aufzustehen“, haben heute Morgen etliche Menschen zu spüren bekommen – wegen der leidlichen Corona-Pandemie jedoch weniger als sonst.
Übrigens: Da die Messdiener am Rande des Karfreitagsklapperns auch für ihre Gruppenkasse sammeln, dürfen sie ruhig großzügig sein.
Und noch ein Übrigens: Zwar rühmen sich unsere österreichischen Nachbarn, dass die UNESCO 2015 das „Ratschen am Karfreitag“ als immaterielles Kulturerbe Österreichs anerkannt hat, obwohl es ja auch andernorts Tradition hat. Die größte Klapper der Welt aber steht eindeutig in Osthessen: Vier Meter lang und knapp zwei Meter hoch ist das Gerät, das vor ein paar Jahren mit einem extra konstruierten Anhänger auf den Fuldaer Domplatz gezogen wurde. Wenn es nicht um religiöses Brauchtum ginge, könnte man sagen: Diese Klapper macht nun wirklich einen Höllenlärm! Und ist fast so weit zu hören wie Kirchenglocken…

Tod Jesu aus theologischer Sicht: a. Ich leide mit euch
Kommen wir zum theologischen Teil des Todestages Jesu: Vergessen wird er natürlich vor allem deshalb nicht, weil nach christlicher Vorstellung Jesus von Nazareth nicht nur ein Mensch war, sondern gleichzeitig auch Sohn Gottes und damit selbst Gott. Eine nicht ganz leichte Vorstellung? Ja klar. Genauso wie die Vorstellung, dass Gott seinen einzigen Sohn qualvoll sterben lässt, um alle Menschen wieder mit sich zu versöhnen. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes unvorstellbar, nicht nachvollziehbar, absolut unbegreiflich. Vielleicht hilft es, wenn man den Sachverhalt moderner übersetzt, selbst wenn man dabei nicht alle Details trifft. Wie auch? Schließlich haben wortgewaltige und gewichtige Theologen im Laufe der Jahrhunderte Tausende Meter sehr komplizierter Bücher zu diesem Thema veröffentlicht.

Deshalb also der – natürlich völlig unzureichende – Versuch einer Erklärung in wenigen Sätzen: Gott stirbt als Mensch, stirbt wie jeder andere Mensch auch. Als Antwort auf das Leid, das Menschen immer wieder erleben, setzt Gott nicht etwas die Naturgesetze außer Kraft, hindert nicht Mörder, skrupellose Machtmenschen und andere daran, Schreckliches zu tun – das wäre wie im Marionettenspiel: Der liebe Gott zieht an ein paar Fäden und niemand kann mehr etwas Böses tun. Eine sehr menschliche Vorstellung, oder? Aber eine, die dem Menschen das Menschsein nähme, alle seine Freiheiten.

Nach christlicher Vorstellung unternimmt Gott etwas völlig anderes. Er zeigt: Ich leide mit euch, leide genauso wie ihr. Ich bin im Leid bei euch. Dabei lautet die Botschaft von Karfreitag und Ostern, von Tod und Auferstehung: Auch dieses Leid geht vorüber. Wenn dieses Leid durchgestanden ist, kommt etwas, was größer ist, so der christliche Glaube. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Jesu bleibt nicht im Tod, sondern er hat den Tod überwunden. Der Tod hat keine Macht mehr über ihn, wie es in vielen Kirchenliedern heißt. Die logische Konsequenz trifft jeden Glaubenden: Wenn Gott sich im Leiden mit uns auf eine Stufe stellt und das Leid überwindet, dann haben auch wir berechtigte Hoffnung darauf, ebenfalls den Tod zu überwinden, nach dem Tod in einer anderen Wirklichkeit weiterzuleben. Eine Hoffnung, die so stark ist, dass sie schon fast zur Gewissheit wird. Zumindest eben für die, die daran glauben.

Tod Jesu aus theologischer Sicht: b. sein Leben opfern für andere
Ein zweiter Aspekt: Gibt es einen größeren Liebesbeweis, als sein Leben qualvoll für jemand anderes hinzugeben? Die Heldenepen aller Zeiten

sind voll von diesem Ideal. Denken Sie nur an Spielfilme von gigantischen Schlachten, sinkenden Schiffen, abstürzenden Flugzeugen, Naturkatastrophen, Weltraumabenteuern und und und: Immer gibt es einen, der sich für andere aufopfert, es am Ende aber selbst nicht schafft. Und vor allem: der schon vorher genau weiß, dass er, wenn er sich für andere opfert, es selbst nicht überleben wird, und trotzdem sein Leben hingibt. Damit eben andere überleben können.
Ja, ich weiß: Im Falle des Jesus von Nazareth müsste man dann erst einmal glauben, dass dessen qualvoller Tod ein Liebesakt war. Den Quasi-Beweis dass an dieser Vorstellung doch etwas dran ist, liefern Sie übrigens gerade selbst: Der Tod Jesu hat solch eine Wirkung, dass man rund 2000 Jahre danach immer noch darüber spricht. Und dass Sie diesen Text bis zu dieser Stelle gelesen haben.

Der Tod Jesu als historisches Ereignis
Das genaue Todesjahr Jesu zu bestimmen, birgt Probleme. Denn die Menschen im Nahen Osten verwenden einen Mondkalender, teilen ihre Monate zurzeit Jesu und zum Teil noch heute nach dem Mondstand. Damit kommt es zu Abweichungen vom Gregorianischen Kalender, der seit Ende des 16. Jahrhunderts der am meisten verbreitete Kalender der Welt ist und auch bei uns gilt. Diese Abweichungen sind nur schwer zu berechnen, zumal das einzige Orientierungsdatum das jüdische Passahfest ist. Das aber richtet sich nach dem Mondkalender…
Was man aber durch die Bibel und durch jüdisches Brauchtum weiß: Jesus von Nazareth ist an einem Freitag gestorben. Weil fromme Juden am Passahfest nicht mit Toten in Berührung kommen durften, ohne besondere kultische Reinigungen vollziehen zu müssen, wurden Gekreuzigten vielfach die Beine zerschlagen. So konnten diese sich nicht länger auf einem kleinen Sockel, kaum mit den Füßen erreichbar, abstützen und starben schneller. So schnell, dass ihre Leichen vor dem Passahfest vom Kreuz genommen und beigesetzt werden konnten.

Tod am Kreuz – grausamer geht es kaum
Zartbesaitete Gemüter sollten an dieser Stelle nicht weiterlesen. Im Folgenden wird es um Details zum Kreuzestod und zur Art des Leidens und Sterbens Jesu bzw. aller Gekreuzigten gehen.
Keine Frage: Der Tod am Kreuz ist ein extrem grausamer, qualvoller Tod, der sich über Stunden, auch über Tage hinziehen kann. Ihm geht in der Regel eine schwere Folterung voraus – so schwer, dass manche Verurteilte sie erst gar nicht überleben. Wer überlebt, muss den Querbalken seines Kreuzes selbst vom Urteilsplatz – in diesem Fall in Jerusalem – hinaus auf den Kreuzeshügel tragen. Auch ohne vorausgegangene Folterung ist das Gewicht eine Herausforderung. Jesus, so berichtet die Bibel, bricht mehrfach unter der Last zusammen, so dass einer der Menschen am Wegesrand gezwungen wird, Jesu Kreuz zu tragen.

Am der Kreuzigungsstätte angekommen wird der Verurteilte mit Stricken an den Querbalken gebunden oder, wie wohl im Falle Jesu, mit großen Nägeln ans Kreuz geschlagen. Die Vorstellung, dass die Nägel durch die Handflächen getrieben würden, hat ihren Ursprung in der mittelalterlichen Malerei: Die damaligen Maler konnten den wieder auferstandenen Jesus seine Wundmale gut zeigen lassen, indem der einfach die Handflächen nach vorn streckte.
Historisch allerdings ist dies nicht richtig: Die Henker der damaligen Zeit wussten sehr wohl, dass der Mittelhandknochen das Gewicht eines normalen Menschen nicht halten würde. Der Nagel würde ausreißen, der Mensch vom Kreuz herabstürzen. Nur wenn die Nägel unmittelbar am Handwurzelknochen zwischen Elle und Speiche hindurchgetrieben werden, halten sie das Körpergewicht.

Letztlich hängt der Körper des Gekreuzigten nach unten durch. Alle Sehnen und Bänder werden auf grausame Weise gedehnt, was große Schmerzen auslöst, aber nicht tötet. Entlastung bietet sich nur, wenn ein knapp unterhalb der Füße angebrachter Tritt gesucht wird. Eine bestialische Idee! Denn dadurch überdehnen Sehnen und Bänder noch mehr, werden die Schmerzen nach kurzer Zeit noch stärker. Durch die unnatürliche Haltung des durchsackenden Körpers und die damit verbundene Überanstrengung platzen einzelne Lungenbläschen. Wie bei einem Asthmaanfall kommt immer weniger Sauerstoff in den Körper, was zu Atemnot und Todesängsten führt. Das Atmen fällt immer schwerer. Am Ende steht ein Tod durch langsames Ersticken. Wer Glück hat, fällt vorher in Ohnmacht.

Der einzige Trost, der angesichts eines derartigen Todes bleibt, ist dann tatsächlich nur noch die Hoffnung darauf, dass es nach dem Tod weitergeht. Ohne sie wäre die Botschaft von Karfreitag unerträglich.

Momentaufnahmen, kurze Episoden in den Medien, flüchtige Eindrücke – und alles rauscht einfach vorbei? „Auch das noch“ zeigt die Skripte (leicht überarbeiteter) Rundfunkbeiträge aus dem öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Manche wurden sogar speziell für Heaven On Air geschrieben. Frei nach dem Motto: einfach mal einen Moment innehalten.

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