Blondie – Heart of Glass
Sie hat ein paar Jahre keine Alben herausgebracht, ist mit schlappen 66 Jahren im Pensionsalter angelangt – und ausgerechnet jetzt, im Juli, packt sie die Musikzeitschrift Rolling Stone auf die Titelseite. Aus gutem Grund: Denn Debbie Harry hat ein tolles Album auf den Markt gebracht – in Anbetracht ihres Alters ganz witzig „Panic of GILRS“ betitelt. Viel besser aber noch: Das Album ist kein Soloprojekt von Debbie. Es ist wieder ein waschechtes Album ihrer legendären Band Blondie.
Stundenlang könnte man über Frau Harry erzählen… Dass sie adoptiert wurde und sich nie wirklich damit abfinden konnte… Dass sie sogar einen Privatdetektiv anheuerte, der tatsächlich ihre leibliche Mutter fand – und nur ein „Ich will meine Ruhe“ zu hören bekam. Dass 1982 bei ihrem Freund und Mitmusiker Chris Stein eine schwere Immunkrankheit festgestellt wurde, der die Karriere von Blondie jäh stoppte. Dass Debbie ihren Chris jahrelang pflegte, sogar in der Klinik schlief und alles hinterher abtat mit: „Wir waren ein Paar. Chris hätte das Gleiche für mich getan.“
Doch während Steins Krankheit ging es für Blondie bergab. Plattenfirma und Management ließen den Schwerkranken Stein und seine Freundin fallen, das Finanzamt stand vor der Tür, Depressionen und Absturz in die Drogen waren die Folge. Und am Ende mussten auch Harry und Stein ausbrechen, trennten sich… und lieben sich noch heute. Was für ein Wahnsinn! Vielleicht kommt es deshalb zu einem Plattentitel wie „Panic of Girls“, also Panik von Mädchen. Wobei nahe liegender ist, dass ein Herz zerbrechen kann. Vor allem dann, wenn es aus Glas ist. Denn genau davon sang Debbie Harry bei Blondies erster Nummer eins, Heart of Glass: Von Liebe, die ein Knüller ist, göttlich wirkt, verwirrend ist, schöne Seiten hat… aber am Ende an Misstrauen und falschen Vorstellungen zerbricht – wie ein Herz aus Glas.
Kleiner Nachtrag: Auch Mütter, die ihre Kinder nicht wollen, können für zerbrochene Herzen sorgen. Der Text der aktuellen Blondie-Single „Mother“ hat nur zwei Zeilen und den Chorus. In dem fragt Debbie anklagend: Mother, wo bist du heute Nacht? Aber, liebe Küchenpsychologen, keine Sorge: Der Song ist nicht Debbies Mutter gewidmet – sondern dem in den 1990ern legendären Underground-Club „Mother“ in Manhattan! Wenn also zerbrochene Herzen, dann Heart of Glass.
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